PEAT AND SMOKE !
Torf und der Whisky - eine tiefe Freundschaft !Bereits vor Jahrhunderten nutzten die Anwohner der Moore Torf als Heizmaterial.
Eine
Torfbank war für die Schotten der Highlands und der Inseln wie
eine richtige Bank, ein wichtiger Bestandteil des Clan- bzw.
Familienvermögens. Torf ist ein pfanzliches Abbauprodukt, das
vornehmlich in feuchten, sumpfigen Gegenden mit hohen
Niederschlagswerten gebildet wird. Torf ist allerdings nicht das einzig
mögliche Schicksal für Pflanzen. Falls Sie also
wissen möchten, was Torf und Whisky miteinander zu tun haben,
lesen Sie weiter. Allgemein unterscheidet man verschiedene
Möglichkeiten des pflanzlichen Zerfalls:
Verwesung
Hier werden zusammen mit Sauerstoff und Feuchtigkeit die pflanzlichen
Stoffe komplett abgebaut und in Flüssigkeiten oder
gasförmige Endprodukte zersetzt. Das Klima darf allerdings
nicht zu feucht sein.
Vermoderung
Ist die Sauerstoffversorung nicht gesichert und das Klima eher trocken,
dann vemodern die Pflanzen, d.h. es bleibt ein kleiner Rest an fester
Substanz zurück.
Vertorfung
Hierfür ist ein sehr feuchtes, dafür aber
sauerstoffarmes Klima notwendig. Nach und nach werden die Abbauprodukte
durch Absinken bzw. Überwachsen immer mehr vom Sauerstoff
abgeschlossen, bis als Endprodukt der Torf entsteht.
Fäulnis
Bei vollständigem Fehlen von Sauerstoff verfaulen die Pflanzen
unter Einwirkung von Mikrorganismen, die nicht in einer
Sauerstoffatmosphäre gedeihen und es bildet sich ein
Faulschlamm. Steigen Druck und Temperatur weiter an, bilden sich
Ölkohlen.
Die wichtigsten Stoffgruppen im Torf sind Bitumen, Pektine, Gerbstoffe,
Zellulose, Hemizellulose, Huminsäuren, Lignine und Humine.
Damit sich Torf bilden kann, ist also ein Wasserüberschuss
notwendig. Die Mikroorganismen, die abgestorbene Pflanzenteile
zersetzen, können ihr Werk aufgrund des hohen Wasserstandes
und der sauren Umgebung nicht vollenden und die pflanzlichen Reststoffe
vertorfen. Abhängig vom Ursprung des Torfmoores unterscheiden
sich auch die pflanzlichen Bestandteile. Niedermoore sind verlandete
Gewässer, die zugewachsen sind. Das Nährstoffangebot
für die Pflanzen war hier höher und daher finden sich
in Niedermoor-Torf auch größere Pflanzen oder solche
mit hohem Nährstoffbedarf. In Hochmooren stammt das Wasser aus
Niederschlägen und Oberflächenzulauf. Aufgrund des
geringeren Nährstoffangebotes enthält Hochmoor-Torf
nur anspruchslose Pflanzen wie Riedgräser, Heidekraut, Moose
und andere Sumpfpflanzen. torfmoore
Auch die geographische Lage beinflusst die Zusammensetzung des Torfs.
So besitzt Torf aus den schottischen Highlands (z.B. Speyside-Torf)
einen höheren Anteil an Laubpflanzen und eine relativ feste
Konsistenz. Legendär ist beispielsweise der Torf aus der
Gegend um Pitsligo in Aberdeenshire, der eine beinahe
kohleähnliche Konsistenz aufweist und ein enorm starkes Aroma
abgibt. Das Gegenstück dazu sind Torfe von den Hochmooren an
der schottischen Westküste oder auf Islay. Hier
enthält der Torf auch Anteile von See- und
Strandgräsern, Algenanwehungen und Sand, der den Torif
auflockert. Bedingt durch den fast ständig wehenden Wind wird
auch Meersalz aus der Gischt mit im Torf eingelagert. Einige
Küstenhochmoore lagen zeitweise auch unter dem Meeresspiegel.
Die Torfe aus den Lowlands enthalten mehr Heidekräuter, sind
von einer weicheren Struktur und geben aufgrund ihrer Bestandteile mehr
fruchtige Aromen ab, brennen auch mit größerer
Hitze. All diese regionalen Unterschiede bedingen später die
Aromen, die der Torf an das Malz abgibt.
Naturgemäß ist die Vertorfung ein sehr langsam
ablaufender Prozess. Nach und nach wächst aber im Lauf der
Zeit eine Torfbank. Je nach Klima, Vegetationsdichte und Feuchtigkeit
kann es weit über Tausend Jahre dauern, bis ein Meter Torf
abgelagert wurde. Die Torfbänke sind teilweise bis zu 10 000
Jahren alt und erreichen an manchen Stellen eine Mächtigkeit
von bis über acht Metern. Auch mit den heutigen Abbauraten an
Torf ist nach Meinung der meisten Destillerien und der von ihnen
beauftragten Wissenschaftler die Versorgung sichergestellt. Einige
Torfbänke in direkter Umgebung der Destillerien sind zwar
erschöpft, aber andere Regionen wie beispielsweise Islay
bestehen zu großen Teilen aus Torfmooren und exportieren
Torf. Je nachdem, mit wem man sich auf Islay unterhält,
reichen die Vorkommen noch 500 bis 5000 Jahre.
Der Torfabbau an sich ist, wenn er auf die traditionelle Weise
betrieben wird, eine sehr naturschonende Methode der Gewinnung von
Brennmaterial. Die Erntezeit ist in der Regel das späte
Frühjahr bis Frühsommer, je nach Witterung. In dieser
Zeit zwischen Anfang Mai und Ende Juni wird der Vorrat für die
Destillerien gestochen. Wie der Autor aus eigenen, mehr oder weniger
erfolgreichen Versuchen weiß, eine Arbeit, die entsprechendes
Geschick erfordert. Ein erfahrener Torfstecher schafft circa 1000 peats
pro Tag, handgestochene rechteckige Torfstücke mit einer
Länge von ca. 50 cm und einer Seitenlänge von ca.
15-20 cm. Vor der eigentlichen Torfgewinnung wird die oberste
Wurzelschicht, auf den Inseln fog genannt, mit einem breiten Spaten wie
eine Grassode abgenommen und auf die zuletzt abgeerntete
Fläche gelegt, auf der sie wieder weiterwächst und
die abgebaute Fläche wieder bedeckt. Die freigelegte
Torfschicht wird je nach Dicke in zwei bis drei oder mehr Schichten mit
einem speziellen Torfspaten gestochen und zum ersten Trocknen
ausgelegt. Nach einer bis zwei Wochen, je nach Witterung, sind die
Stücke so weit abgetrockent, dass sie sich zu kleinen,
pyramidenfömigen Haufen stapeln lassen. Hierbei wird darauf
geachtet, dass die zuvor nach unten zeigende Seite, die ja noch
feuchter ist, die Aussenseite der Stapel bildet, damit der
Trocknungsprozess gleichmäßig verläuft.
Diese trockene Aussenschicht lässt die Torfstücke
auch den einen oder anderen Regenguss relativ gut überstehen.
Diese Stapel trocknen nun so weit möglich aus. In einem
windreichen, relativ trockenen Sommer an der Küste sind die
Stücke nach sechs, sieben Monaten trocken, in feuchten Jahren
dauert der Prozess bis zum erneuten Torfstechen ein Jahr
später. In trockenem Zustand sind die Torstücke
deutlich geschrumpft, auf ca. 7 mal 7 Zentimeter und etwa 30 Zentimeter
Länge.
Torf aus tieferen Schichten besitzt naturgemäß eine
andere Zusammensetzung als neuerer Torf aus den obersten Schichten.
Ebenso muss der Torfstecher die pfanzliche Zusammensetzung kennen, denn
viele Destillerien ordern den Torf in einer bestimmen Mischung,
beispielsweise bevorzugt Highland Park einen hohen Anteil von
Heidekraut und Wurzeln.
Mittlerweile wird der Torfabbau aber auch maschinell betrieben, auf
Islay lassen sich sowohl die traditionelle Methode als auch der Abbau
mit speziell ausgerüsteten Traktoren beobachten. Ausgestattet
mit teilweise drei bis vier Ballonreifen nebeneinander, damit das
Gerät nicht versinkt (was trotzdem bereits passiert sein
soll), zieht der Traktor eine Art Messer mit einem
rohrförmigen Ansatz. In einer einstellbaren Tiefe baut dieser
dann den Torf ab und legt die Ernte in einem ca. 20cm dicken
Torfschlauch zum Trocknen auf der Oberfläche des Hochmoors ab.
Bedingt durch das Gewicht der Maschinen und die daraus resultierende
Bodenverdichtung sowie die Beschädigung der obersten
Vegetationsschicht ist diese Methode allerdings nicht unumstritten.
Der getrocknete Torf bildet also das traditionelle Heizmaterial der
Inseln und der Highlands. Bei der Malzherstellung war Torf daher zuerst
einfach nur das billigere Brennmaterial beim Stoppen des Kornwachstums.
Sehr schnell entdeckten die ersten Whiskyproduzenten aber auch, dass
der Torfrauch Aromen an das Malz abgab, die man im fertigen Produkt
durchaus schmecken konnte. In den heutigen Mälzereien sorgt
der Torf nur noch für das Aroma, die Hitze wird durch
öl- oder gasbefeuerte Brenner erzeugt. Neben der leichteren
Regulierung der Temperatur hat das auch den Vorteil, dass weniger Torf
verbrannt wird und die Vorräte damit länger reichen
werden. Eine Destillery wie Laphroaig oder Bowmore (die beiden
einzigen, die auf Islay noch einen Teil des Malzes selbst erzeugen)
benötigt pro Tag, an dem Malz erzeugt wird, immerhin etwa eine
Tonne Torf. Durch modernere Öfen und Messmethoden
lässt sich auch die Torfigkeit des Malzes genauer steuern als
früher, obwohl auch heute noch die Erfahrung des Heizers
gefragt ist, der je nach Anfoderung trockenen oder feuchteren Torf
verwendet, die Tordschicht im Ofen mehr oder weniger hoch stapelt und
die Luftzufuhr regelt. Man ist schließlich am Rauch und
weniger am Feuer interessiert.
Die gerade angesprochene Torfigkeit des Malzes wird durch den Gehalt an
Phenolen ausgedrückt. Der Phenolgesamtgehalt wird in ppm
(parts per million, Phenole pro eine Million Teilchen Malz)
ausgedrückt. Während der Reifezeit im Fass entwickelt
der Whisky auch unabhängig vom Trof eine gewisse Rauchigkeit,
die allerdings durch die Abbauprodukte des Fassholzes entsteht und
wesentlich weniger Anteil am Geschmack hat. Je nach Phenolgehalt lassen
sich die Whiskies in verschiedene Kategorien einteilen.
1 - 5 ppm kaum getorft = Speyside und Lowlands
< 20 ppm mittlere Torfung = Westl. Inseln und Highlands
20 - 50 ppm schwer torfig = Islay-Whiskies (Kildalton-Area)
Abhängig von den jeweiligen Destillerievorgaben und dem Markt
kann das Produkt einer Destillerie im Phenolgehalt auch stark
schwanken. Caol Ila beispielsweise, die zu 98% pro Blends prodziert und
nur wenige Prozent der Produktion als Single Malt abfüllt,
produziert nach den Vorgaben der Auftrageber. Aber auch Ardbeg, ein
klassicher Vertreter der traditionell schwer getorften
Kildalton-Whiskies, schwankte im Lauf der Zeit. Derzeit ist Ardbeg mit
55ppm der am meisten getrofte Whisky überhaupt. In ein paar
Jahren wird Ardbeg dieser Titel voraussichtlich auf der eigenen Insel
streitig gemacht werden. Nach der Wiedereröffnung vn
Bruichladdich begann man dort mit dem Port Charlotte genannten Brand
einen mittel getorften Whisky zu brennen und vor kurzem wurden die
ersten Versuche mit einem Whisky gestartet, der 2008 unter dem Namen
Octomore auf den Markt gekommen ist - mit einem Phenolgehalt von ca.
131ppm !!!
Mit freundlicher Genehmigung von Armin Hanisch www.arminhanisch.de
(Quellen: Scotch Whisky Directory, James McEwan, Scotch Malt Whisky Society, Charles MacLean)


